Family-Equity-Investoren kommen für unternehmerische Beteiligungen nur am Rande vor. Dabei verdient gerade dieser Weg mehr Aufmerksamkeit: Family-Equity-Investoren, also Family Offices, Stiftungen und Familienbeteiligungsholdings, bieten deutschen Familienunternehmen starke, verlässliche und langfristige Kapitalpartnerschaften. Ihre Prinzipale handeln gleichfalls international; zumeist sind sie Eigentümer eines international führenden (Familien-)Unternehmens.
Dass viele Unternehmen dennoch an US-Käufer verkauft werden, liegt neben einschlägig bekannten Faktoren auch am fehlenden Zugang zu Family Equity Investoren. Ein Verkauf an strategische US-Investoren kann operativ mindestens kurzfristig Vorteile bringen und natürlich sind freier Kapital- und Handelsverkehr sowie international funktionierende Lieferketten und globaler Produktions-Footprint wichtig. Häufig folgt aus einer Kapitalbeteiligung jedoch der schrittweise Abfluss von Wertschöpfung aus Deutschland, und die vormaligen Familienunternehmen werden in Großkonzerne eingegliedert. Für den Einzelfall mag das sehr sinnvoll sein. Für den Standort Deutschland ist es nicht ideal.
Als Treiber der Entwicklung stehen die Kapitalisierungsfähigkeit der US-Märkte und die Industriepolitik der Trump-Administration mit ihrer Fokussierung auf Fertigungskapazitäten in den USA. Ein klarer Fokus gilt dabei deutschen Familienunternehmen mit ihren hochspezialisierten Produkten in den Bereichen Industrie und Technologie, von denen vielen in ihren Anwendungsfeldern marktführend positioniert sind. Wenn kerngesunde Weltmarktführer ihre Zukunft einem amerikanischen Investor anvertrauen, ist das zumindest kein gutes Urteil über die Bedingungen am Standort Deutschland. Den Unternehmen fehlt nicht die technologische Substanz oder Innovationspotenzial, sondern zumeist ein heimischer Partner mit hinreichender Finanzkraft, um weitere Wachstumsschritte zu begleiten. Für einen ‚fremden‘ Eigentümer ist Deutschland im Zweifel nur einer von vielen Standorten.
Wenig hilfreich ist zudem, dass Investorenkonferenzen vor allem für ausländische Staatsfonds und angloamerikanische Finanzinvestoren veranstaltet, inländische Familienholdings, Family Offices und Stiftungen aber kaum einbezogen werden. Das verkennt deren Bedeutung: Rund 75 % der 100 vermögendsten deutschen Unternehmerfamilien stellen neben ihrem Kernunternehmen Beteiligungskapital für unternehmerische Direktbeteiligungen bereit und haben dafür professionelle Strukturen in ihren Beteiligungsholdings, Family Offices und Stiftungen aufgebaut. Gleiches gilt für Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, die Niederlande oder Dänemark. Hier steht, und das ist eine große Zahl, ein nach unserer Beobachtung dreistelliger Euro-Milliarden-Betrag für Direktinvestitionen zur Stärkung von Wachstum und Resilienz deutscher Familienunternehmen bereit.
Allein in unserem PETER MAY Family Equity Netzwerk zählen wir mehr als 200 europäische Unternehmerfamilien, die unternehmerisches Beteiligungskapital zur Verfügung stellen. In ihrer Rolle als Kapitalgeber werden sie von Investmentbanken und M&A-Boutiquen bislang jedoch kaum wahrgenommen oder in der Prioritätenliste eher sekundär aufgeführt, maximal in einer Longlist ‚aufgefüllt‘. Genau hier setzen wir an und führen Familienunternehmen und individuell passende Familieninvestoren zusammen. Und das finden wir auch richtig.
Kontakt
Jörg Hueber beschäftigt sich mit Themenstellungen der Übertragung von Anteilen an Familienunternehmen innerhalb der Familie, zu Abfindungsregelungen für Gesellschafter, zu Fragestellungen der Öffnung des Gesellschafterkreises und mit Beratungsleistungen des Kaufs und Verkaufs von Unternehmensbeteiligungen für Familienunternehmen, Inhaberfamilien und Family Offices. Jörg Hueber leitet die Family Equity Praxis in der PETER MAY Gruppe mit Zugang zu mehr als 200 Family Offices, familiengeprägten Beteiligungsholdings und Stiftungen als Kapitalpartner für Familienunternehmen. Vor seiner Tätigkeit in der PETER MAY-Gruppe ist Jörg Hueber mehr als 20 Jahre in international führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (EY, KPMG) und Investmentbanken (UniCredit, Berenberg) tätig gewesen und hat den M&A-Bereich eines börsennotierten Unternehmens (HHLA) verantwortet. j.hueber@petermay-fos.com