Ulf Renzenbrink und Jörg Hueber im Gespräch
Jörg Hueber: Die Nachfrage durch Family Equity-Investoren nach Beratungsleistungen zur Begleitung von Unternehmenskäufen und -verkäufen hat auch in der rechtlichen und steuerlichen Beratungspraxis von Renzenbrink & Partner deutlich zugenommen. Woran liegt das?
Ulf Renzenbrink: Auch wir beobachten seit mehreren Jahren die zunehmende Verselbständigung und Professionalisierung von durch Investorenfamilien über ihre Beteiligungsholdings, Family Offices und Stiftungen bereitgestelltem unternehmerischem Beteiligungskapital. Dies hat mehrere Ursachen: Viele vermögende Unternehmerfamilien haben vor etwa 10, teilweise vor 20 Jahren begonnen, ihr Beteiligungsvermögen neben ihrem Familienunternehmen zu diversifizieren, zunächst über Private Equity-Fonds als Fondsinvestoren, dann als Co-Investoren und dann, mit wachsendem Erfahrungszugewinn, auch selbständig durch den sukzessiven Aufbau eigener Strukturen einschließlich der Einstellung erfahrener Beteiligungsmanager. Des Weiteren verfügen viele vermögende Familien über hohe Liquidität, etwa auch aus dem (Teil-)Verkauf ihres Familienvermögens oder durch Portfolio-Umschichtungen etwa durch Rückzug aus Immobilieninvestments. Außerdem bietet Beteiligungsdiversifikation neben dem (Kern-)Familienunternehmen etwa für Familienmitglieder, die nicht im Familienunternehmen tätig sind, die Möglichkeit, sich unternehmerisch in anderen Themenfeldern zu betätigen.
Jörg Hueber: Auch wir sehen eine wachsende Professionalisierung von Family Equity-Investoren, zum einen als Folge des genannten Erfahrungsaufbaus. Zum anderen bringen Family Equity-investoren ein über Jahrzehnte, zumeist über Generationen gewachsenes, Unternehmerverständnis mit, dass ihre Entwicklung zu langfristig erfolgreichen Investoren prägt. Family Equity Investoren sind außerdem in der Lage, deutlich flexibler zu handeln. Ihr Beteiligungsmandat erteilt die Prinzipalfamilie und keine Organisation aus Drittinvestoren eines Fonds, der klaren Regeln, aber dadurch auch starren Limitierungen unterliegt, insbesondere in Bezug auf Halteperioden, Governance und Control - aber auch Renditeversprechen gegenüber den Investoren (und deren Erwartungsdruck), die es im Wettbewerb um Anlagegelder zu erreichen gilt. Dieses nachvollziehbare Korsett wird nicht immer den nötigen Freiheitsgraden unternehmerischen Handelns innerhalb der Portfoliogesellschaftern gerecht. Family Equity Investoren können deutlich flexibler und langfristiger agieren.
Ulf Renzenbrink: Diese Beobachtung teile ich und es macht den Kapitalmarkt für Unternehmensbeteiligungen deutlich interessanter, da er vielseitiger geworden ist. Investoren bieten den Verkäufern ein breiteres Spektrum an möglichen Gesellschaftern, ob Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung, langfristigem oder kurzfristigem Engagement, unterschiedliche Governance-Konzepte, unternehmerischem Beitrag der Investoren und auch ein ganz unterschiedliches Werteverständnis der handelnden Personen. Es ist sicherlich ein Unterschied, ob ein gestandener Unternehmer, ein ‚Charaktertyp‘, ein Investor ist oder ein professioneller Fondsmanager. Zugegeben macht es auch den Arbeitsalltag für uns Berater facettenreicher. Für den Beteiligungsmarkt sind Family Equity-Investoren eine große Bereicherung.
Jörg Hueber: Wenn wir an Governance-Konzepte, Exit-Regelungen im Gesellschaftsvertrag oder Haftungsregime denken: Worin bestehen wesentliche Unterschiede zwischen Private Equity-Investoren und Family Equity-Investoren?
Ulf Renzenbrink: Ich möchte das nicht in Stereotypen beantworten, dafür sind insbesondere Family Equity-Investoren in Bezug auf ihre eigene Organisation zu unterschiedlich. Manche ähneln in ihrer Struktur hinsichtlich Personalstärke und Transaktionshäufigkeit Private Equity Investoren und handeln auch vergleichbar. Aber sicherlich ist es so, dass mangelnder Exit-Druck ohne Fondslaufzeiten und der geringere Wettbewerbsdruck der Renditeerzielung die Härte einzelner Regelungen berühren kann. Drag-Rechte etwa bei Beteiligungen an Familienunternehmen, bei denen die Unternehmerfamilie beteiligt bleibt (d.h. die Gesellschafterfamilie ist zum Mitverkauf verpflichtet) sehen wir bei Family Equity-Investoren üblicherweise nicht. Beteiligungskonzepte von Family Equity-Investoren sind häufig weniger komplex, insbesondere auch dadurch, dass es sich teilweise um Full-Equity-Deals handelt oder ein nur geringer Fremdkapital-Leverage die übliche Konzeption über Roll-Over-Strukturen nicht erfordert. Dann haben wir Anwälte zwar weniger zu tun, aber wir arbeiten ja zielorientiert und nicht bewusst umständlich.
Jörg Hueber: Die Anzahl der Transaktionen mit Family Equity-Investoren wächst, nimmt aber dennoch noch einen zu kleinen Anteil ein, jedenfalls hinsichtlich der Publizität darüber. Viele Beteiligungen erfolgen diskret außerhalb der breiteren Öffentlichkeit.
Ulf Renzenbrink: Dennoch fehlt es den meisten Marktteilnehmern, insbesondere den Verkäufern an Transparenz darüber, dass und welche Family Equity-Investoren es gibt. Daher ist es nur positiv zu sehen, dass Ihr bei PETER MAY mit Euren über viele Jahre aufgebauten persönlichen Kontakten dazu beitragt, Family Equity bekannter und damit auch relevanter zu machen.
Jörg Hueber: Die eingeschränkte Sichtbarkeit liegt sicherlich an den hohen Anforderungen an Diskretion über die Vermögenssituation der entsprechenden Prinzipalfamilien; auch ist es häufig der Wunsch, nicht über Beteiligungszukäufe oder -verkäufe zu berichten. Auch tendieren die meisten Intermediäre, d.h. Investmentbanken oder M&A-Berater häufig zu Private-Equity – oder strategische Investoren. Das ist aus geschäftsstrategischer Sicht nachvollziehbar, da über viele Jahre hinweg enge und eingespielte Beziehungen zu diesen Investorengruppen entstanden sind. Hier setzen wir bei PETER MAY an und bieten kapitalsuchenden Familienunternehmern eine Ergänzung und Alternative durch den Zugang zu Familieninvestoren über unser Netzwerk, in dem wir mit mehr als 200 Familienholdings, Family Offices und Stiftungen in Europa ein sehr breites Spektrum an Gesprächs- und möglichen Kapitalpartnern einbringen können.
Über die Gesprächspartner:
Ulf Renzenbrink ist Anwalt und Gründungspartner von Renzenbrink & Partner, einer führenden Transaktions- und Streitbeilegungsboutique mit Schwerpunkt Private Equity. Er startete seine Laufbahn vor über 25 Jahren bei einer top-tier internationalen Großkanzlei und berät seitdem Finanz- und Familieninvestoren sowie Unternehmer bei M&A-Transaktionen. Daneben ist er als Parteivertreter und Schiedsrichter in Post-M&A-Streitigkeiten tätig.
Jörg Hueber ist geschäftsführender Gesellschafter in der PETER MAY-Gruppe und verantwortet den Geschäftsbereich Family Equity Consulting, der sich vorrangig mit der Bereitstellung von Familienkapital durch Family Offices, Stiftungen und familien-geprägte Beteiligungsholdings für Familienunternehmen und Inhaberfamilien befasst. Vor seiner Tätigkeit in der PETER MAY-Gruppe ist Jörg Hueber mehr als 20 Jahre in international führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Investmentbanken tätig gewesen und hat den M&A-Bereich eines börsennotierten Unternehmens verantwortet. Außerdem ist Jörg Hueber Beirat in Familienunternehmen und Sparringspartner für vielzählige Inhaber relevanter Familienunternehmen. Kontakt j.hueber@petermay-fos.com