Von der Unternehmerfamilie zur Investorenfamilie: Unternehmerische Beteiligungen mit Armira Growth

Der Begriff des Familienunternehmertums hat sich weiterentwickelt, Gesellschafterfamilien nehmen Verantwortung als Eigentümer, Geschäftsführer oder Aufsichtsrat wahr. Zugleich hat sich der Blick auf das Familiengesamtvermögen erweitert. Unternehmerisches Handeln findet vermehrt auch neben dem Kernfamilienunternehmen statt und bietet der Familie breitere Möglichkeiten. Ein Austausch zwischen Florian Tappeiner und Jörg Hueber.

Modell Familienunternehmen

Florian Tappeiner und Jörg Hueber im Gespräch

 

Jörg Hueber: Unternehmerisches Handeln und Gestalten deutscher Unternehmerfamilien hat sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren deutlich weiterentwickelt. Familienunternehmertum wird zunehmend breiter definiert, sei es in der Ausübung operativer Verantwortung im eigenen Familienunternehmen, in einer gestaltenden Rolle im Gesellschafterkreis und / oder durch die Ausübung einer beratenden Rolle in einem Kontrollgremium.

Auch der Begriff des Unternehmertums innerhalb des Familiengesamtvermögens hat sich verändert, insbesondere dann, wenn die Familie Möglichkeiten geschaffen hat, neben dem Kernfamilienunternehmen weitere unternehmerische Beteiligungen einzugehen, sei es als Investor in Beteiligungsfonds, Investorenkonsortien oder Direktbeteiligungen an anderen Unternehmen.

Florian Tappeiner: Armira wurde vor über 15 Jahren gegründet, mit dem Ziel die führende Investmentgesellschaft für Familienunternehmen und Technologie aus Deutschland aufzubauen. Damals (sowie teilweise auch heute noch) waren Familienunternehmer, die einen Eigenkapitalpartner für das Unternehmen benötigten, hauptsächlich auf ausländische Finanzinvestoren angewiesen. Das wollten wir ändern und einerseits Unternehmerfamilien die Möglichkeit geben, selbst Investor in anderen Familienunternehmen zu sein wie auch andererseits die Möglichkeit anbieten, Familieninvestoren in das eigene Familienunternehmen aufzunehmen. Mit einer Handvoll Familienunternehmern bündelten wir das Kapital, das Netzwerk, deren Investitionsmöglichkeiten und die unternehmerische DNA. So wurde mit Armira ein gutes Zuhause und ein starker Partner für deutsche Hidden Champions geschaffen, sollte die Familie verkaufen wollen und einen Partner für die unternehmerische Nachfolge suchen.

Über Zeit konnten wir immer mehr Unternehmer – und Unternehmerfamilien überzeugen, sich dieser Mission anzuschließen. Mittlerweile vertrauen über 200 Unternehmer uns ihr Kapital an und bringen sich zudem stark ein, sei es über Know-How, Beteiligungsmöglichkeiten, Beiratstätigkeiten oder die Stärkung des Netzwerks, u.a. auf unseren Veranstaltungen. Daraus ergibt sich eine starke Symbiose, die uns als Armira zum präferierten Partner für deutschsprachige Unternehmer macht, die Kapitalbedarf haben.

Jörg Hueber: Der Grundgedanke von Armira ist es, Investorenkapital durch Investorenfamilien in Beteiligungsfonds zu bündeln und Familienunternehmen als Beteiligungskapital zur Verfügung zu stellen. Dies ist in mittlerweile 3 auf Mittelstandsbeteiligungen ausgelegten Fondsgenerationen auf- und umgesetzt worden ergänzt um eine gesonderte Beteiligungsstrategie für große Einzelinvestitionen, die auch mehr als €1 Milliarde im Einzelfall ausmachen kann. Mehr als 200 Investorenfamilien haben in Summe etwa €5 Milliarden Beteiligungskapital zur Verfügung gestellt. Mit Armira Growth ist in 2022 eine weitere Strategie eröffnet worden, welche Du als Gründungspartner initiiert und mit Deinem Team erfolgreich umgesetzt hast.

Florian Tappeiner: Ich möchte noch einmal einen Schritt zurück gehen: nachdem wir bei Armira über 20 Mehrheitsbeteiligungen an Familienunternehmen erfolgreich umgesetzt hatten, bemerkten wir eine starke, heranwachsende Generation an Unternehmern, die in den deutschen Tech-Ökosystemen ihre Wurzeln haben, die auf gutem Wege sind, die zukünftigen Hidden Champions oder auch Weltmarktführer der Zukunft zu werden. Die Kombination aus Universitäten, Forschungseinrichtungen, Konzernen, Mittelstand und globalen Tech-Unternehmen führt zu einem optimalen Nährboden speziell für Tech-Unternehmer.

Bei Armira beobachteten wir eine rasant wachsende Anzahl dieser Unternehmer, die sehr erfolgreiche und gesunde Geschäfte skalierten: €10m+ Umsatz, 50-100% Wachstum, profitabel im Kern und mit dem Unternehmer selbst als Mehrheitseigentümer, so wie zahlreiche deutsche Weltmarktführer selbst einst entstanden. Diese Unternehmer sind oftmals in einer Phase, in der sie noch nicht an einen Verkauf denken, sondern sich für die nächste Phase des Wachstums einen Partner wünschen, am besten in einer Minderheit, der hilft die Organisation zu skalieren und der bei dedizierten Wachstumshebeln operativ unterstützen kann, z.B. in Fragestellungen rund um Vertrieb, Marketing, Internationalisierung und natürlich Künstliche Intelligenz. Bislang gab es solche Wachstums-Partner größtenteils nur aus den USA, was oftmals zu kulturellen Verständigungsproblemen führt und wenig Verständnis für lokale Geschäftspraktiken ergibt und oft auch zu den bekannten Abwanderungstendenzen der Unternehmen führt. Hier wollten wir mit Armira Growth einen starken Wachstumspartner aus und für die DACH-Region aufbauen, der den aufstrebenden Wachstumsunternehmern zur Seite steht und aus Hidden Champions europäische Tech-Champions entwickelt.

Jörg Hueber:  Die Umsetzung Eurer Idee begann Ende 2021 und das in einer Zeit, die durch die Aus- und Nachwirkungen der COVID-Epidemie und dann auch des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine durch sehr hohe Unsicherheiten behaftet gewesen ist. Ein eher sehr ungünstiger Zeitpunkt für die Organisation von Beteiligungskapital.  Die Bewertungen vieler Technologienunternehmen, gerade jüngerer Wachstumsunternehmen gingen stark zurück, einzelne auf junge Wachstumsunternehmen ausgelegten Fonds im Venture Capital Bereich und eben ihre Investoren, häufig auch Unternehmerfamilien, erlebten substanzielle Vermögensverluste, mindestens Buchverluste vorheriger Buchgewinne in ihren Beteiligungen. Warum habt Ihr gerade in diesem Zeitfenster das Fundraising für Euren ersten Fonds aufgesetzt.

Florian Tappeiner: Vorneweg muss man betonen, dass wir nicht im Venture Bereich unterwegs sind. Wir jagen nicht den gerade angesagten Trends hinterher, sondern investieren in langfristige attraktive und widerstandsfähige Geschäftsmodelle unter der Führung starker Unternehmer. Auch die Bewertungen in diesem Segment unterliegen weniger starken Schwankungen und die Unternehmer suchen sich ihren Wachstumspartner nicht aufgrund von Bewertung, sondern eher nach Kriterien aus, die zum langfristigen Erfolg des Unternehmens beiträgt, v.a. wenn nur eine Minderheit abgegeben wird. Die Unternehmer sehen uns auch als Unternehmer mit schnellen, transparenten Entscheidungswegen und bevorzugen das direkte Gespräch und den Handschlag, anstatt mit Angestellten zusammenarbeiten, die per Videokonferenz aus London oder New York zugeschaltet sind. Bei einigen unserer Gründerteams ist genau das eingetreten und sie haben sich trotz Angeboten großer US-Fonds für Armira Growth als Partner entschieden.

Aber ja, das Timing des ersten Fundraisings war nicht optimal. Aber nicht nur für uns, sondern für alle Wachstumsfonds. Wir haben es aber dank unserer Investorenbasis (und auch der Partnerschaft mit PETER MAY Family Equity Consulting) geschafft, die Zielgröße zu überschreiten und unser Hard Cap von €200m Euro einzusammeln. Somit konnten wir das Fundament für Armira Growth legen und unsere Muskeln im Bereich Unternehmensidentifikation, Ansprache, Umsetzung und Wertschöpfung in den letzten Jahren trainieren. Wir haben sehr viel in unsere Fähigkeiten investiert, um langfristig der führende Wachstumsinvestor in Europa zu werden.

Jörg Hueber: Der Prozess eines Fundraisings dauert einige Monate, um das gewünschte Fondsvolumen zu erzielen, für Euren ersten Fonds, wie beschrieben, in Höhe von €200 Mio. Dennoch konntet Ihr auch in dieser Phase erste Beteiligungen eingehen, wie etwa an Parkdepot, der heutigen Wemolo, einem Unternehmen der Parkraumüberwachung, -steuerung und Zugangskontrolle, für die ihr gesonderte Beteiligungsvehikel für erste Investoren gebildet habt. Zudem bietet Ihr auch bei den Fondsinvestitionen zusätzlich die Möglichkeit in einzelne Unternehmen direkt zu investieren. Kannst Du das Konzept erklären?

Florian Tappeiner: Das ist richtig und für unsere unternehmerisch geprägte Investoren ist das oft sehr wichtig. Beispielsweise haben wir gerade in Aviloo, der Weltmarktführer von Batteriediagnostik für den Gebrauchtwagenmarkt von Elektrofahrzeugen, investiert. Von den €30Mio. Investitionssumme investieren wir €20Mio. aus dem Fonds und €10Mio. als Direktinvestition unserer Investoren.  Auch bei Wemolo und osapiens, haben wir direkte Investitionen ermöglicht, die sich beide sehr erfreulich entwickeln und osapiens jüngst eine Bewertung von über €1Mrd. erzielen konnte. Auch wenn unser Ziel nicht der Unicorn-Status ist, so freuen wir uns dennoch, wenn dies das Ergebnis von harter Arbeit und starker Leistung der Unternehmer ist.  

Jörg Hueber: Wie hat sich der Aufbau Eures Beteiligungsportfolios innerhalb der nun 4 Jahre weiterentwickelt? Und kannst Du dabei auch auf die Entwicklung Eurer Teamstruktur und Organisation eingehen.

Florian Tappeiner: Am Anfang steht das Team, das auf langjährigen Vertrauensbeziehungen beruht: meinen Partnerkollegen Christian Figge, der als Managing Director bei General Atlantic das Deutschlandgeschäft aufgebaut hat, und mich verbindet ein über 25-jähriger gemeinsamer Weg und wir sind stolz darauf, auch langjährige Weggefährten unserer vorherigen Stationen für unsere gemeinsame Mission gewonnen zu haben. Mittlerweile haben wir ein starkes Team von 10 Investment Professionals, das durch die bestehende Armira Struktur und durch Leuchttürme mit Expertenwissen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Sales & Marketing, Finanzen und HR, ergänzt wird.

Zudem investieren wir sehr stark in Tools und Prozesse, die unseren Marktangang verbessern: wir stehen derzeit mit über 1.300 Unternehmern in Kontakt, die für uns in den nächsten Jahren als Investition interessant sein können.  Wir schauen uns jährlich mehr als 2000 Unternehmen an und versuchen die spannendsten Unternehmer zu identifizieren, kennenzulernen und gute Beziehungen aufzubauen. Meist verfolgen wir die Entwicklung der Unternehmen über Jahre. Bei der Investment Auswahl sind wir wiederum sehr selektiv.

Die Entwicklung unserer Portfoliounternehmen – die ihren Umsatz seit Investition mehr als verdreifacht haben und dadurch das Portfolio bei einer Rendite von über 2.0x des investierten Kapitals steht – zeigt, dass unser operativer Wertschöpfungsansatz nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern in der Realität. Ein konkretes Beispiel ist wie eben erwähnt die Mannheimer Softwarefirma Osapiens, die von uns mit 25 Millionen Euro finanziert wurde. Sie bietet globale Lösungen für die Digitalisierung von Lieferketten. Das Unternehmen ist mittlerweile europäischer Marktführer, hat heute über 500 Beschäftigte und über 2000 Großkonzerne als Kunden im In- und Ausland.

Unser Armira Growth Fund I ist bereits zu knapp 70% investiert und das positive Feedback unserer bestehenden Investoren bestärkt uns, Armira Growth II zeitnah anzugehen — als Kontinuität einer bewiesenen Strategie mit gestärkter Plattform.

Jörg Hueber: Gehen wir noch einmal zurück auf den Anfang unseres Gespräches, in dem wir auf den erweiterten Begriff des Familienunternehmertums und der erweiterten Rolle als Investorenfamilie eingegangen sind. Welche Möglichkeiten haben Investorenfamilien in der Mitarbeit bei Armira Growth außer einer finanziellen Beteiligung an einem Fonds?

Florian Tappeiner: Das ist ein sehr wichtiger Punkt: wir als Armira leben vom Austausch mit den Unternehmerfamilien.

Für unsere Investoren ist Armira Growth zunächst eine Möglichkeit, sich unternehmerisch breiter aufzustellen und gemeinsam mit anderen Unternehmern in spannende und gesunde Technologieunternehmen zu investieren. Viele Unternehmer würden gerne in diesem Bereich investieren, haben aber selten direkten Zugang dazu.

Mindestens genauso wichtig ist uns der Austausch in beide Richtungen. Unsere Investoren bringen sich aktiv ein, als Gesprächspartner auf Augenhöhe, im Einzelfall in beratender Rolle bei unseren Beteiligungen, als Industriebeirat oder indem sie eigene Beteiligungsideen und Branchenwissen mit uns teilen. Umgekehrt profitieren sie vom Austausch über aktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz, der oft auch direkt in die Weiterentwicklung ihres eigenen Familienunternehmens einfließen kann. Unser jährliches Armira Forum ist dafür der zentrale Anlass, an dem Investoren, Unternehmer und unser Team zusammenkommen.

Unser Ziel sind langfristige Partnerschaften, mit unseren Investoren, Kollegen und Unternehmern aber auch mit Weggefährten wie den Kollegen Eures PETER MAY Teams. Wir, die Partner von Armira, denken in Zeiträumen von 20 Jahren und mehr.  

Jörg Hueber: Lieber Florian, vielen Dank für unseren Austausch.

 

Über die Gesprächspartner:

Florian Tappeiner ist Gründungspartner und Managing Partner von Armira Growth, dem auf Wachstumskapital spezialisierten Arm von Armira. Vor der Gründung von Armira Growth war er bei H.I.G. Capital, ProSiebenSat.1 und der Allianz SE tätig. Seine akademische Ausbildung schloss er mit einer Promotion im Bereich Finanzen an der TU München ab.

Jörg Hueber ist Geschäftsführender Gesellschafter in der PETER MAY Gruppe und verantwortet den Geschäftsbereich Family Equity Consulting, der sich mit der Bereitstellung von Beteiligungskapital durch Family Offices, Stiftungen und Familieninvestmentholdings für Familienunternehmen und Inhaberfamilien befasst. Vor seiner Tätigkeit in der PETER MAY-Gruppe ist Jörg Hueber mehr als 20 Jahre in international führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Investmentbanken tätig gewesen und hat den M&A-Bereich eines börsennotierten Unternehmens verantwortet. Außerdem ist Jörg Hueber Beirat in Familienunternehmen und Sparringspartner für vielzählige Inhaber relevanter Familienunternehmen. 

Kontakt j.hueber@petermay-fos.com