Kerndienstleistungen des Family Office Management

Prof. Dr. Maximilian A. Werkmüller erklärt, welche Dienstleistungen zum Kern des Family Office Managements gehören: Das Vermögensreporting.

Jedes große Vermögen sollte hinsichtlich der Performance seiner einzelnen Segmente regelmäßig überwacht werden. Nur durch eine fortlaufende Überwachung lassen sich Fehlentwicklungen rechtzeitig erkennen und wird eine wirkungsvolle Kontrolle erst möglich. Deshalb sollte unmittelbar an die Aufnahme des Status quo des Gesamtvermögens die Installierung eines konsolidierten Vermögensreportings anschließen.

Der Mehrwert des Reportings liegt insbesondere darin, dass es die Berichtswesen einzelner Dienstleister „gleichnamig“ macht und dadurch eine wirksame Kontrolle ermöglicht. Nehmen wir zum Beispiel den Bereich der Banken und Vermögensverwalter: Selbst, wenn alle Institutionen dieselben Vorgaben haben, sehen ihre hauseigenen Reportings oft sehr unterschiedlich aus. Das eine Institut berechnet die Performance zeitgewichtet (time-weighted), das andere geldgewichtet (money-weighted). Alleine dieses Vorgehen bedeutet einen erheblichen Unterschied, der zu unterschiedlichen Ergebnissen führen wird. Denn bei der geldgewichteten Performanceberechnung wird die Leistung des Verwalters in Abhängigkeit zu dem ihm im Berichtszeitraum zur Verfügung gestellten Kapital berechnet. Verluste wirken sich deshalb geringer aus, wenn während des Berichtszeitraums weniger Kapital zur Verfügung gestanden hat als im Berichtszeitraum davor. Entnahmen und Einlagen beeinflussen damit das Ergebnis mitunter erheblich. Diese Unterscheidung muss zunächst einmal beseitigt werden, um zwei Häuser miteinander vergleichen zu können.

Zur Anschauung soll das folgende Beispiel dienen:

(Beispiel entnommen aus Eigelshoven in: Werkmüller (Hrsg.), Family Office Management, „Vermögensreporting”, 4. Auflage, Heidelberg 2019)


In der geldgewichteten Performance wird das Ergebnis in Relation zum durchschnittlich eingesetzten Kapital gesetzt. Anlageergebnisse, die mit geringerem Kapitaleinsatz erzielt wurden, wirken sich bei dieser Methodik weniger stark aus. Die geldgewichtete Performance ergibt somit die Rendite auf Ebene des Anlegers, die sowohl auf die Leistungen des Vermögensverwalters als auch auf das Geschick des Anlegers beziehungsweise seines Family Offices in Bezug auf Bereitstellung und Rückforderung seines Kapitals zurückzuführen ist. Für den langfristigen Vergleich der Vermögensverwalter untereinander ist hingegen die zeitgewichtete Methode zu empfehlen. Hinzu kommt, dass einige Häuser die Performance vor Steuern, andere nach Steuern, wieder andere vor Kosten, andere nach Kosten ausweisen. Dieses diffuse Bild ermöglicht keine Vergleichbarkeit. Auch das Risikomaß, mit welchem die einzelnen Häuser rechnen, ist unterschiedlich: Die einen rechnen auf Basis eines „Value at Risk“-Ansatzes (= höchste Verlustwahrscheinlichkeit), andere rechnen mit der Volatilität (= Schwankungsbreite um den Mittelwert einer Anlage), wiederum andere schließlich berechnen auf Basis der sogenannten „Sharpe Ratio“ (= Volatilität verringert um risikolosen Zins). Auch diese Portfoliokennzahlen müssen vereinheitlicht werden, um die Risiken, mit denen die einzelnen Häuser rechnen, vergleichen zu können. Dies leistet das Vermögensreporting.

Das Reporting gibt auch Aufschluss über die Arbeit des Vermögensverwalters

Darüber hinaus ermöglicht ein gutes Vermögensreporting dem Family Office, zu erkennen, in welchen Anlageklassen eine Outperformance erzielt wurde, wo also die Marktperformance durch die Leistung des Vermögensverwalters überboten wurde. Diese per se gute Nachricht verdient aber den zweiten Blick auf das Risiko, mit welchem dies gelungen ist. Ein Vermögensverwalter, der zwar mehrmals hintereinander den Markt schlägt, hierfür aber Risiken eingeht, welche die Vorgaben der Familie weit übersteigt, hat nicht zwingend gut gearbeitet und verdient deshalb kein uneingeschränktes Lob. Hier ist sicherlich eine Intervention des Family Office angezeigt. Entspricht aber das im Reporting ausgewiesene Risiko den Vorgaben, dann gibt das Reporting auch eine Antwort auf die Frage, warum die Outperformance erzielt wurde. War es die strategische Asset Allocation oder war es der Investmentansatz? Waren „timig“, „stock-picking“ oder eine „long-short“-Strategie der Schlüssel zum Erfolg? All diese Fragen werden beantwortet und lassen im Ergebnis das Urteil zu, ob der Vermögensverwalter gut gearbeitet hat oder nicht. Das Reporting und die aus seiner Auswertung gewonnenen Erkenntnisse sind die Grundlagen für die in regelmäßigen Abständen wiederkehrenden kritischen Gespräche mit den beauftragten Vermögensverwaltern.

Ein leistungsstarkes Reporting gibt auch Aufschluss darüber, ob die mit dem jeweiligen Vermögensverwalter verhandelten Anlagerichtlinien eingehalten wurden oder nicht. Gleiches gilt für die Korrektheit der Abrechnung von Transaktionen. Gerade in diesem Bereich kommt es typischerweise zu Abrechnungsfehlern der Clearingstellen, die – gäbe es das Reporting nicht – unentdeckt blieben. Für diese Zwecke wird der sogenannte Transaktionskontrollbericht erstellt.

Last but not least sollte ein Reporting auch die Daten für die Steuererklärung liefern. Der „Steuerbericht“ sollte dabei Sonderformen der Kapitalanlage und Erstattungsansprüche mit Blick auf ausländische Quellensteuer gleichermaßen erfassen.

Abhängig von der Menge und dem Detaillierungsgrad der zur Verfügung gestellten Daten, ist ein Reporting auch in der Lage, Sonderauswertungen zu einzelnen Themen zu liefern. Beispielsweise kann man auch das Segment der sogenannten Alternatives, das heißt der nicht liquiden Anlageklassen, gegen einen der bekannten Marktindizes laufen lassen und so erreichen, dass über das Gesamtvermögen ein einheitliches Risiko gerechnet werden kann. Gleiches gilt für Kunstwerke und -sammlungen. Auch sie können in Form eines Indexes in die Gesamtvermögensbetrachtung und -steuerung einbezogen werden.

Ein gutes Reporting rechtfertig die anfallenden Kosten

Den Aufbau des Reportings kann der Vermögensinhaber in der Regel selbst bestimmen. Typischerweise ist der Prinzipal daran interessiert, einen prägnanten Blick über den Zustand seines Gesamtvermögens zu erhalten und dies mit möglichst geringem Zeiteinsatz. Für ihn eignet sich deshalb ein kurzer Report besser, der die wesentlichen Erfolgsfaktoren, Portfoliokennzahlen und Entwicklungen aufzeigt, als der umfassende Report für das Family Office bzw. für den Family Oficer.

Einige Familien und Family Offices arbeiten bereits mit Reporting-Dienstleistern zusammen oder haben ein eigenes Reporting-Tool programmieren lassen. Andere Familien arbeiten noch immer mit einem Excel-Sheet, das in der Konzernbuchhaltung des Unternehmens geführt wird. Dabei gilt es aber zu beachten, dass die „Excel-Lösung“ jeweils nur eine Momentaufnahme des Gesamtvermögens bietet, aber keine Entwicklungen aufzeigt und so auch nicht erkennen lässt, welche Investments gut laufen und welche nicht. Ein leistungsstarkes Reporting kann diese Lösung deshalb nicht ersetzen.

Sicherlich hat ein gutes Reporting seinen Preis. Die Kosten werden in der Regel nach Basispunkten, bezogen auf das reportete Vermögen, berechnet. Aber dieses Geld ist ganz sicher gut investiert.